|
Internationales und ausländisches Wirtschafts- und Steuerrecht
Vietnam Investitionsführer und Leitfaden für ausländische Lieferfirmen
1. Buch:
G R U N D L A G E N
Oliver Massmann Rechtsanwalt Duane Morris Vietnam LLC Hanoi
4. überarbeitete Auflage Februar 2003
© Mr. Oliver Massmann
Alle Rechte vorbehalten. Das Werk einschließlich aller seiner Teile ist urheberrechlich geschützt, insbesondere der Nachdruck von Auszügen, die fotomechanische Wiedergabe und die Speicherung in elektronischen Medien. Auch die unlautere Vervielfältigung, Übersetzung, Microverfilmung, Verarbeitung oder Weitergabe in elektronischer Form ist untersagt. Jede Verwertung ausserhalb der engen Grenzen des Urheberrechtsgesetzes ist ohne Zustimmung des Verlags und Autors unzulässig and strafbar.
Stand: September 2003
Für die Richtigkeit der Angaben in dem Buch wird seitens Verlag und Autor keine Gewähr übernommen. VORWORT ZUM AUTOR
Oliver Massmann E-mail: omassmann@duanemorris.com
ZUR VIERTEN AUFLAGE DES INVESTITIONSFÜHRERS
Die vorliegende 4. Auflage des Investitionsführers erscheint in einem neuen Gewand. Anders als die vorherigen Auflagen, wird es kein Gesamtwerk mehr geben. Stattdessen wurden die unterschiedlichen Rechtsgebiete auf insgesamt sieben Bücher aufgeteilt. Dies soll angesichts der mittlerweile erreichten Informationsfülle der besseren Übersichtlichkeit dienen und eine gezieltere Beratung ermöglichen. Selbstverständlich ist ein umfassender Überblick über das vietnamesische Investitionsrecht auch weiterhin gewährleistet. Dabei soll Ihnen das Buch ‘Grundlagen’ einen ersten Einstieg in das vietnamesische Investitionsrecht mit seinen wesentlichen Rechtsgebieten geben. Hier werden die verschiedenen Möglichkeiten für ausländische Investitionen im Kontext der vietnamesischen Investitionspolitik dargestellt, wobei nach wie vor Direktinvestitionen im Focus dieses Investitionsführers stehen. Allerdings werden daneben erstmals auch Möglichkeiten sonstiger wirtschaftlicher Aktivitäten vorgestellt. Neben diesen allgemeinen und grundlegenden Informationen werden speziellere Probleme in den jeweiligen Fachbüchern erörtert. Die nachfolgende Liste gibt eine Übersicht über die derzeit verfügbaren Rechtsgebiete: · 1. Buch: Grundlagen; · 2. Buch: Steuern und Zölle; · 3. Buch: Bank- und Wertpapierrecht, Landnutzungs- und Versicherungsrecht; · 4. Buch: Arbeitsrecht und Qualitätssicherung; · 5. Buch: Gewerblicher Rechtsschutz; · 6. Buch: Rechtssystem; · 7. Buch: Stromsektor.
Sollten Sie Interesse an einem oder mehreren Büchern dieses Investitionsführers haben, können Sie diese unter folgender Adresse bestellen:
Oliver Massmann Duane Morris Vietnam LLC
Pacific Place, Unit V1308, 13th Floor
E-mail: omassmann@duanemorris.com
VORSTELLUNG DER NEUEN BÜCHER
Bei der Konzeption des Investmentführers sind und waren uns die Bedürfnisse sowohl der potentiellen als auch der bereits in Vietnam aktiven Investoren von höchster Priorität. Wie in den vorherigen Ausgaben des Investitionsführers liegt der Schwerpunkt auch diesmal in der Vermittlung erster wichtiger Informationen im Zusammenhang mit den verschiedenen Investitionsformen und aller dabei zu beachtenden Fragen in Wirtschaft und Recht. Aufgrund der fortschreitenden Enwicklung Vietnams gerade in der Investitionslandschaft und damit verbundener Neuregelungen speziell für Investoren auf den meisten Rechtsgebieten wuchs der Investitionsführer in den letzten Jahren auf eine ansehnliche Größe. Um die Informationsfülle übersichtlicher zu gestalten und zudem Spezialgebiete, die nur für bestimmte Investitionsarten von Bedeutung sind, von den für alle Investoren allgemein wichtigen Grundinformationen sichtbar zu unterscheiden, haben wir den Investitionsführer in der vorliegenden neuen vierten Auflage in ein Grundlagenwerk und darauf aufbauende sechs Spezialbände aufgespalten. Gern senden wir Ihnen die einzelnen Bände auf Anfrage zu.
Das vorliegende erste Buch bildet das Grundlagenwerk zum Investitionsführer Vietnam. Es beschäftigt sich mit den generellen rechtlichen und wirtschaftlichen Entwicklungen auf dem Gebiet des vietnamesischen Investitionsrechts und gibt einen Gesamtüberblick über die wichtigsten Investitionsformen und deren rechtliche Verankerung in Vietnam. Spezielle, vom Investor zu beachtende wirtschaftliche als auch rechtliche Gegebenheiten sowie im Einzelnen zu beachtende Gesetze und Abkommen werden dagegen in sechs Spezialbänden dargestellt, welche auf die im Grundlagenwerk vermittelten Informationen aufbauen. Während der vorliegende Grundband keine speziellen Rechtskenntnisse voraussetzt, sollte man zum besseren Verständnis der einzelnen Spezialbände bereits über einige generelle rechtliche Grundkenntnisse verfügen. Wir weisen daher darauf hin, dass wir bei der Konzeption der Spezialbände auf die Erläuterung grundlegender Rechtsbegriffe verzichtet und das allgmeine Grundverständnis des Lesers bereits vorausgesetzt haben.
Um einen schnellen Überblick über die einzelnen Spezialbände zu ermöglichen, möchten wir diese im Folgenden kurz in der Reihenfolge vorstellen, wie sie erschienen sind. Diese werden wie das Grundlagenwerk ständig aktualisiert und den neuesten Entwicklungen angepaßt. Bei Interesse können sie gern bei uns angefordert werden. Weiterhin gilt dabei, dass die verschiedenen Bände des Investitionsführer als Information und Leitfaden dienen, jedoch keine ausführliche juristische Beratung ersetzen sollen und daher für die darin enthaltenen Angaben keine Gewähr übernommen wird.
Das zweite Buch in der siebenteiligen Reihe des Investitionsführers widmet sich im ersten und überwiegenden Teil dem vietnamesischen Steuerrecht. Dieses Kapitel ist für den ausländischen Invesrtor besonders interessant, da sich schon bei der Wahl des Unternehmensmodells und der Investitionsform die Frage nach steuerlichen Auswirkungen stellt. Vietnam verfügt über ein umfassendes Steuersystem zur Besteuerung von Investitionsvorhaben. Der zweite Band des Investitionsführers stellt alle für ausländische Investoren relevanten Steuerarten und in diesem Zusammenhang wichtige Gesetze vor und erklärt die Besteuerungsgrundlagen und -methoden. Zu beachten ist hierbei insbesondere die Vermeidung der Doppelbesteuerung durch das zwischen Deutschland und Vietnam unterzeichnete Doppelbesteuerungsabkommen. Ein besonderes Augenmerk wird zudem auf Steuersenkungen und Steuerbefreiungen in diesem Zusammenhang gelegt, welche für bestimmte Investitionsvorhaben bei verschiedenen Steuerarten gewährt werden. Diese sind für den Investor von erhöhtem Interesse. Der zweite Teil des Buches konzentriert sich auf das Import- und Exportrecht und widmet sich dabei insbesondere den von der Regierung zur Kontrolle des Außenhandels aufgestellten Importzöllen und –kontrollen. Es behandelt zudem Lizenzierungsanforderungen und erläutert die notwendigen Genehmigungen von Importen und Exporten.
Im dritten Band werden wichtige Aspekte des Banken- und Wertpapierrechts sowie der vietnamesischen Politik zur Devisenerwirtschaftung behandelt. Weiterhin werden relevante und damit einhergehende Vorschriften zum Umtausch von durch Investoren in Vietnam eingeführte Devisen vorgestellt und die Deckung des Devisenbedarfs solcher Unternehmen erläutert. Ein kurzer weiterer Teil widmet sich dem Betreiben von Versicherungsunternehmen in Vietnam und stellt das neue Gesetz vom April 2001 vor. Dieser Band enthält ausserdem Informationen über die Ausgabe von Wertpapieren und die in diesem Zusammenhang im Juli 2000 eröffnete erste vietnamesische Börse sowie das System des Erwerbs von Landnutzungsrechten vom vietnamesischen Staat. In Vietnam ist die Finanzierung von Projekten nur auf besonderen gesetzlich vorgeschriebenen Wegen zulässig, mit denen sich der dritte Band in einem gesonderten Abschnitt auseinander setzt.
Ausländische Investoren stellen bei der Gründung eines Unternehmens gleich welcher Form in Vietnam Arbeitskräfte ein. Nach vietnamesischem Arbeitsrecht finden die vietnamesischen Arbeitsgesetze sowohl auf inländische als auch ausländische Arbeitskräfte Anwendung. Band Vier stellt daher alle im Zusammenhang mit der Eingehung bzw. Beendigung eines Arbeitsverhältnisses stehende Vorschriften, behördliche Anzeigepflichten vor, geht auf die Notwendigkeit des Einholens einer Arbeitserlaubnis ein und erläutert die geltenden Kündigungsvorschriften. Dabei wird Bezug auf verschiedene Gesetze genommen, die im Zusammenhang mit einem Investitionsprojekt bedeutsame arbeitsrechtliche Regelungen enthalten. Daneben beleuchtet der Vierte Band Aspekte der Qualitätssicherung und stellt die drei wesentlichen Kategorien der Qualitätssicherung hinsichtlich verschiedener Anforderungen für Herstellung und Transport der Produkte näher dar.
Mit Entstehung des Zivilgesetzbuches traten 1996 erstmals in Vietnam Vorschriften zum Schutz von Urheberrechten in Kraft., ein Ministerium zur Überwachung gewerblicher Schutzrechte wurde eingerichtet sowie internationale Abkommen im Bereich gewerblicher Schutzrechte unterzeichnet. Dies alles sind erste Schritte Vietnams auf dem Wege der Regelung der für das Land zum Schutz ausländischer Investoren wichtigen Rechtsmaterie. Daher wurde der erste Teil des fünften Bandes wichtigen Entwicklungen diesem Rechtsgebiet gewidmet und Registrierung und Durchsetzung gewerblicher Schutzrechte sowie das Verfahren zur Lizenzierung von Technologietransfer in Vietnam genauer unter die Lupe genommen und dem Investor nützliche Ratschläge zur Sicherung seiner Rechte gegeben. Besondere Bedeutung kommt hierbei dem Schutz gewerblicher Rechte in der IT Industrie und speziell im Softwarebereich zu. In diesem Rahmen wird der Entwicklungsplan für Softwareindustrie und der bereits existierende Gesetzesrahmen vorgestestellt und auf die neuesten Entwicklungen auf diesem Sektor eingegangen. Im Anschluß behandelt dieses Buch die wirtschaftlichen Entwicklungen des Internets und des Informationstechnologiesektors. In diesem Umfeld werden das e-ASEAN Abkommen zum grenzüberschreitenden Handel und Vertragsschlüsse via Internet sowie die neuesten Schritte auf dem Gebiet des E-Commerce vorgestellt.
· 6. Buch: Rechtssystem und internationale Einbindung Vietnams: BTA und KA, AFTA und WTO Der sechste und vorletzte Band der Reihe gibt in seinem ersten Teil zunächst eine Einführung in das vietnamesische Rechtssystem und erläutert neben der allgemeinen Vorstellung neuerer Gesetzgebungsaktivitäten sowohl die vom Investor zu beachtenden und auf ihn anwendbaren Bestimmungen als auch das vietnamesische Gerichtssystem und die Möglichkeit der Vereinbarung von Schiedsverfahren. Der zweite Teil des Buches stellt verschiedene internationale Abkommen und Organisationen vor, die Vietnam unterzeichnet hat bzw. deren Mitgliedschaft Vietnam bereits ausübt bzw. anstrebt. Unter diesen Abkommen ist wohl das wichtigste das zwischen Vietnam und den USA geschlossene Bilaterale Handelsabkommen, welches über die Handelsgrenzen der beiden Ländern hinaus Auswirkungen auf den internationalen Handel Vietnams hat und daher in diesem Buch einer genaueren Studie unterzogen werden soll. Schließlich bereitet Vietnam seine Aufnahme in die WTO vor und arbeitet in Vorbereitung darauf bereits jetzt an grundlegenden Rechtsreformen, zu denen es sich nicht zuletzt mit Unterzeichnung des BTA verpflichtet hat. Wie umfassend die Auswirkungen der Regelungen des BTA sind, die über den Anwendungsbereich des Abkommens weit hinaus reichen und daher auch für deutsche bzw. andere nicht U.S. amerikanische Investoren betreffen, ist Themenschwerpunkt dieses zweiten Teils des sechsten Bandes.
· 7. Buch: Stromsektor und Infrastruktur Der letzte Band der siebenteiligen Reihe stellt zunächst der Stromsektor vor, der einen großen Teil finanzieller Auslandshilfen Vietnams verschlingt. Neben einer Vorstellung der für den Stromsektor relevanten Gesetze sowie dem von der Regierung 1994 gegründeten staatlichen und einzigen Stromabnehmer Vietnams, die EVN, werden die gerade im Energiebereich vorkommenden Built Operate Transfer Projekte vorgestellt und rechtliche Hintergründe an verschiedenen Beispielen näher erklärt. Eine der Hauptherausforderungen für ausländische Investoren solcher Projekte ist hierbei der starke Einfluß monopolistischer Unternehmen. Daher wird ein Überblick darüber gegeben, mit welchen Behörden sich der Investor beschäftigen muß und mit welchen weiteren Risiken er bei der Realisierung von BOT Projekten zu rechnen hat KARTE VON VIETNAM
INHALTSVERZEICHNIS
ZUR VIERTEN AUFLAGE DES INVESTITIONSFÜHRERS 1.1.1 Aufwärtstrend der Wirtschaft in den letzten 40 Jahren 1.1.1.1 Industrialisierung und Wirtschaftskrise in den 60-iger bis 80-iger Jahren 1.1.1.2 Doi Moi Reformpolitik des 6. Parteitages 1986 1.1.1.3 Beginn auch eines politischen Wandels 1.1.2 Entwicklungen in der Investitionspolitik 1.1.2.1 Verfassung und LFI als Grundlage für ausländische Investitionen 1.1.2.2 Zahlreiche multi- und bilaterale Abkommen 1.1.2.3 Beginn einer Privatisierung von Staatsbetrieben 1.1.2.4 Abwertung des Dong und zwischenzeitlicher Rückgang der Investitionen 1.1.2.5 Anstieg des Investitionsvolumens und Wandel der Art der Investoren 1.1.2.6 Wandel der Investitionsformen und Rückgang von Direktinvestitionen 1.1.2.7 Mangel an wirtschaftspolitischen Maßnahmen in der Innenpolitik 1.1.3 Zwischenbilanz: Vietnam ein interessanter Standort für Investoren 1.3 Bedeutende Handelsabkommen 1.3.1 Handelsabkommen USA – Vietnam (BTA) 1.3.2 Kooperationsabkommen EU – Vietnam 1.6 Rechtsgrundlagen: LFI und Dekret 24 und Dekret 27 1.6.2 Änderung des LFI in 2000 1.6.3 Einführung des “Dekretes 24” 1.6.4 Änderungen durch „Dekret 27“ 1.7.2 Spezielle Wirtschaftsförderungszonen 1.7.3 Förderungsmaßnahmen und steuerliche Anreize 1.9 Joint-Venture (Joint-Venture Company) 1.9.4 Stammkapital und Gesamtinvestitionen 1.9.5 Aufsichtsrat und Geschäftsführung 1.9.5.1 Aufsichtsrat (Board of Management) 1.9.5.2 Vorsitzender des Aufsichtsrates (Chairman of the Board of Management) 1.9.5.3 Geschäftsführer (General Director) 1.9.6 Laufzeit, Auflösung und Liquidation 1.9.9 Verfahren und Dokumentation 1.10 Kooperationsverträge (Business Cooperation Contract) 1.10.3 Koordinationskomitee und Geschäftsführung 1.10.4 Kooperationsvertrag im Vergleich zum Joint-Venture 1.10.5 Erweiterung der Rechte im Rahmen eines Kooperationsvertrages 1.11 100 %-ige Tochtergesellschaft (Wholly Foreign-Owned Enterprise) 1.11.5 Geschäftsführer und Geschäftsführung 1.12 Zweigstelle (Branch Office) 1.12.1 Neue Rechte durch das „Dekret 45“ 1.13 Repräsentanzen (Representative Office) 1.13.1 Zulässiger Tätigkeitsbereich und Rechtsform 1.13.3 Gültigkeitsdauer einer RO-Lizenz 1.14 Build-Operate-Transfer (BOT) 1.14.2 Gründung / Lizenzierung 1.14.5 Dauer des BOT-Projektes 1.14.11 Bürgschaften und Hypotheken 1.14.15 Bürgschaft für ausländische Devisen 1.15 Die Investitionsformen im Vergleich (Vor- und Nachteile) 1.16 Fusion, Spaltung und Änderung der Unternehmensform ZUSAMMENFASSUNG UND PERSPEKTIVEN
EINLEITUNGNach der Jahrtausendwende steht Vietnam ebenfalls vor einer großen Wende seiner Wirtschaftspolitik. Nachdem Mitte der 90-iger Jahre als Folge der Asienkrise das ausländische Investitionsvolumen drastisch zurückging und Vietnams Wirtschaft in eine Rezession geriet, hat Vietnam versucht, neue Anreize für ausländische Investitionen zu schaffen. Aus diesem Grund wurde das bislang undurchsichtige Steuersystem weitgehend mit Wirkung vom 01.01.1999 neu geregelt. Darüber hinaus wurde zum 01.07.2000 das Investitionsgesetz erheblich verändert, um mehr Flexibilität, steuerliche Anreize und Schutz für ausländische Investoren zu ermöglichen. Mit Einführung der entsprechenden Ausführungsverordnung (Dekret 24 im Jahr 2000, geändert durch Dekret 27 vom 19. März 2003) bekommt der Einfluss ausländischer Investoren mehr Gewicht. Zudem hat Vietnam begonnen, seinen Kapitalmarkt zu konsolidieren, indem es erstmals Regelungen zur Errichtung eines Wertpapiermarktes erlassen hat, der grundsätzlich auch ausländischen Investoren offen steht. Im Juli 2000 wurde die erste vietnamesische Börse in Ho Chi Minh Stadt eröffnet. Auch wurde mit der Verordnung über Schieddsprüche vom 25.02.2003[1] wie lange Gefordert, die Durchsetzbarkeit ausländischer Schiedssprüche wesentlich verbessert.
Die Meilensteine für den wirtschaftlichen Aufschwung stellen jedoch zum einen das bilaterale Handelsabkommen (BTA) Vietnams mit den USA dar, in dem sich Vietnam einerseits zur Anpassung seines Rechtssystems in Annäherung an die WTO-Standards verpflichtet hat, andererseits aber auch zahlreiche Gesetze und Regelungen erlassen will, die in weltwirtschaftlicher Hinsicht für den Handel mit Vietnam von Bedeutung sind. Bislang hat Vietnam die BTA-Bestimmungen zeit- und ordnungsgemäß umgesetzt. Des weiteren sind neue Ausführungsverordnungen geschaffen worden, die erstmals den vietnamesischen Markt für ausländische Handelsfirmen in den Bereichen Import, Export, Kauf, Verkauf und Vertrieb öffnen. Für zusätzlichen Schub dürfte der geplante Beitritt Vietnams zur WTO im Jahr 2005 sorgen. Neben der Annäherung an den Westen, hat sich Vietnam gleichzeitig durch die Mitgliedschaft in der ASEAN und AFTA in der süd-ost-asiatischen Gemeinschaft etabliert und sichert sich somit regionale Wirtschaftsvorteile.
Außerdem verfügt Vietnam nach wie vor über gute Voraussetzungen für ein dauerhaftes Wirtschaftswachstum und bietet schon deshalb Investitionsanreize für ausländische Unternehmen. Die günstige geographische Lage Vietnams im Zentrum Südostasiens, seine reichhaltigen Rohstoffvorkommen sowie die trotz des stetig ansteigenden Lebensstandards weiterhin sehr niedrigen Lohnkosten sind günstige Bedingungen für ausländische Investitionen.
Dieser Investitionsführer soll interessierten deutschen Unternehmen einen Überblick über die derzeitige Situation in Vietnam unter Berücksichtigung politischer, wirtschaftlicher und rechtlicher Aspekte verschaffen. In erster Linie richtet sich dieser Investitionsführer an Unternehmen, die direkt in Vietnam investieren wollen. Auf die Darstellung der Import- und Exportregelungen für den bilateralen Handel mit Vietnam ist deshalb bewußt verzichtet worden. Die vorgestellten Investitionsformen sollen potentiellen Investoren einen ersten Einstieg in die Investitionsmöglichkeiten sowie eine grundsätzliche Orientierung für die angestrebten Projekte ermöglichen. Auf Grund der häufigen Änderungen im vietnamesichen Recht bzw. bei dessen Ausführung können wir für die Angaben in diesem Leitfaden keine Gewähr übernehmen. Zudem möchten wir an dieser Stelle ausdrücklich hervorheben, dass dieser Leitfaden keine ausführliche juristische Beratung ersetzen kann. Hanoi, Februar 2003 Oliver Massmann/Rechtsanwalt ALLGEMEINE EINFÜHRUNG1.1 Rückschau
1.1.1 Aufwärtstrend der Wirtschaft in den letzten 40 Jahren
1.1.1.1 Industrialisierung und Wirtschaftskrise in den 60-iger bis 80-iger Jahren
Seit den 60-iger Jahren versuchte Vietnam das Land nach sowjetischem Vorbild zu industrialisieren. Diesem Ziel folgend wurden Leichtindustrie und Landwirtschaft zugunsten der Schwerindustrie vernachlässigt, was bereits Ende der 70er-Jahre zu ersten Versorgungsengpässen führte. Die vietnamesische Regierung reagierte mit einer Liberalisierung der Familienwirtschaft und ließ 1979 eine marktwirtschaftlich orientierte Zweitökonomie zu, die es den Bauern erlaubte, Produktionsüberschüsse frei zu verkaufen. Trotz dieser zunehmend an Bedeutung gewinnenden Parallelwirtschaft kam es Mitte der 80er Jahre zu einer dramatischen Wirtschaftskrise in Vietnam. Die Produktion stagnierte und die Inflation erreichte schwindelerregende Höhen (1986: über 700 %); 1988 gab es Hungersnöte im Norden Vietnams. Hinzu kam die enorme Verschuldung, die Vietnam 1985 zwang, gegenüber dem Internationalen Währungsfonds seine Zahlungsunfähigkeit zu erklären. 1.1.1.2 Doi Moi Reformpolitik des 6. Parteitages 1986Auf dem 6. Parteitag der KP Vietnam im Dezember 1986 leitete die vietnamesische Regierung eine Reformpolitik ein, die unter dem Namen Doi Moi (wirtschaftliche Reform) bekannt geworden ist. Vietnam gab das Modell der Industriealisierung auf und förderte stattdessen den Aufbau der Leicht- und Agrarindustrie. Um die Versorgung der Bevölkerung mit Nahrungsmitteln und Konsumgütern gewährleisten zu können, beschloß die Regierung, zukünftig die Privatwirtschaft zu stärken und die zentral gelenkte Planwirtschaft teilweise in eine marktorientierte Wirtschaftsordnung zu überführen. Dazu sollte die staatliche Reglementierung der Wirtschaft schrittweise reduziert und der Markt für ausländische Investoren geöffnet werden. Diese Reform brachte beeindruckende Erfolge. Bereits nach wenigen Monaten sank die Inflationsrate auf ein Jahresdurchschnitt von 34,7 % im Jahre 1989. Vietnam , das zuvor von Reisimporten abhängig gewesen war, konnte den Ertrag um 12 % steigern und nach Jahren wieder Überschüsse erwirtschaften. Heute ist das Land weltweit noch vor den USA der zweitgrößte Reisexporteur. Insgesamt konnte im Zeitraum von 1986 bis 1996 ein beträchtlicher Fortschritt mit jährlichen Wachstumsraten von 9 % (1993 – 1997) erreicht werden. Trotzdem gibt es in Vietnam noch eine weitgehend zentral gelenkte Planwirtschaft, wobei Land und Rohstoffe sich weiterhin im Eigentum des Staates befinden. Allerdings können Privatpersonen und Organisationen jetzt Landnutzungsrechte und Rechte zum Abbau von Rohstoffen erwerben. 1.1.1.3 Beginn auch eines politischen WandelsObwohl mit Doi Moi nur eine Wirtschaftsreform eingeleitet werden sollte, befindet sich auch die politische Situation des Landes in einem Wandel. Trotz de |